Aus persönlicher Sicht
Das Gender-Mainstream-Projekt ist die künstlerische Auseinandersetzung mit der Gender Diskussion, die sich aus den frühen weltweiten vereinzelten feministischen Energien heraus nun endlich seit Beginn des 21. Jahrhundert zum politischen Thema und zur Gesetzgebung in Europa entwickelt hat. Die wissenschaftlichen Arbeiten hierzu geben Aufschluss über die komplexe Vielschichtigkeit des Themas. Im Rahmen dieser Thematik stelle ich als Künstlerin und Ausstellungsmacherin, die Geschlechterverhältnisse in Bildern aus persönlicher Sicht dar. Als ich junge Mutter wurde, habe ich mich gefragt: „Warum hat mich niemand auf die Rolle vorbereitet und erzählt, was das Begleiten eines jungen Menschen in die Welt hinein abverlangt?“ Es gab keine Vorwarnung aus den älteren Generationen über die massive Veränderung des eigenen Lebens. Ich stand plötzlich mit dieser Aufgabe weitestgehend alleine da. Wie können geschlechtsspezifische Körpermerkmale Menschen in spezifische soziale Erwartungshaltungen klassifizieren und sie dann mit der wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe, der Erziehung eines Kindes, so alleine stehen lassen? Die überwiegend berufstätigen Väter der Kinder arbeiten aus Karrieregründen zwischen 40 bis 60 Stunden in der Woche. Das wird in der heutigen Wirtschaft als Selbstverständlichkeit erwartet. Eine partielle Kinderbetreuung wäre mein allergrößter Wunsch gewesen, um meinen künstlerischen Beruf mit der gewünschten Mutterschaft vereinbaren zu können, doch ein guter Kinderbetreuungsplatz war/ist rar wie ein Lottogewinn.
Durch meine neue Rolle lernte ich viele andere Mütter kennen, denen es genauso ging. Es entstanden viele Zweck- und fundierte Freundschaften. Unter anderem schloss ich Freundschaften zu zwei Ärztinnen. Die eine hatte drei und die andere vier Kinder. Beide Ärztinnen erzogen ihre Kinder mit sehr viel Engagement. Ihre Ehemänner waren ebenfalls Ärzte und konnten es sich leisten, als Alleinverdiener für 5 bzw. 6 Personen zu sorgen. In der Zeit lernte ich eine Kollegin meines Mannes kennen, ebenfalls Ärztin, die sich für die Kinderlosigkeit und Karriere entschieden hatte und als Professorin an der Universität arbeitete. Inzwischen haben alle Kinder der zwei Ärztinnen die Schule beendet. Das berufliche Wissen der zwei Ärztinnen ist veraltet und die Rückkehr in den Beruf nur schwer möglich. Die sieben Kinder von ihnen studieren alle und die engagierte Erziehungsarbeit hat auch in den sozialen Kompetenzen der Kinder gute Früchte getragen. Es ist voraus zu sehen, dass die sieben Kinder die Pension der kinderlosen Professorin erarbeiten werden. Ihre beiden Mütter werden leider ohne leistungsgerechte Rente auskommen müssen.
Mir persönlich ging es nicht viel anders. Ich habe engagiert die Erziehungsarbeit und die Betreuung der pflegebedürftigen Mutter übernommen und nur mit allergrößtem Organisationsaufkommen Ruhe und Freiraum für künstlerische Arbeit aufbringen können. Während eines Arbeitsgespräches in Vorbereitung auf eine Ausstellung mit James Turrell flutschte mir plötzlich die Bemerkung heraus „my daughter is my masterpiece“. Warum hatte ich das gesagt? War damit alles gesagt? War es entschuldigend für all die Werke, die ich nicht malen konnte? Einige Zeit darauf, ab 2002, entstand die Bildserie „In The Cosmos Of Kitchen Cinnamon Stars Will Burn Out“, „Im Kosmos der Küche verglühen die Zimtsterne“, die zum Gender Projekt gehört.
Eine Erziehungsarbeit zu leisten sollte erstens wirtschaftlich im Rentenalter nicht zur Armut führen und zweitens müssen endlich genügend gute Kinderbetreuungseinrichtungen geschaffen werden. Wenn das politisch umgesetzt ist, werden ohne Existenzangst auch wieder genügend Kinder geboren werden können. Männer und Frauen könnten gleichermaßen eine freie Entscheidung für die Familienarbeit treffen.
„I have a dream“, (so begann doch schon einmal in der Geschichte ein sozialpolitischer Appell) dass eines Tages die durch geschlechtliche Merkmale zugeteilten Rollen der Frauen, Männer und Paare in den unterschiedlichsten Gesellschaften, Religionen, Schichten und Traditionen sich aufheben und eine selbst bestimmte Lebensplanung möglich ist, unabhängig von den geschlechtsspezifischen Merkmalen und ohne finanzielle Benachteiligungen für die frei erwählte Rolle. Diese freie Entscheidung und soziale Sicherheit ist Voraussetzung dafür, dass sich die so genannte „Creativ Class“ (definiert durch Richard Florida), die ein wichtiges Fundament aller funktionierenden Gesellschaften der Zukunft bildet, sich für Kinder entscheidet und somit auch für Zukunftsforscher eine berechenbare Größe bleibt.
Das künstlerische Gender Mainstream Projekt ist in vier Kapiteln unterteilt:
Die Umsetzung des Projektes erfolgt mit der klassischen Formensprache der Malerei. Denn nur die klassische Malerei ermöglicht eine grenzenlose Vielfalt und ein vielschichtiges Aufzeigen der zeitgenössischen Rollen der Geschlechter. Darüber hinaus ermöglicht die Malerei, komplexe Themen und Plots über Emotionen zu transportieren und dadurch eine breite Anzahl von Rezipienten zu erreichen mit einer fast verloren gegangenen Sehweise: Die Kontemplation über zeitgenössische und visionäre Themen mittels der unsterblichen Malerei.